Errungenschaften der Demokratie interessieren Jugendliche nur wenig

“Freie Presse” Pressebericht:

Jahrestag der einzigen freien Wahlen in der DDR: Großrückerswalder Schüler diskutieren mit CDU-Landtagsabgeordneten – Teilnehmer ziehen durchwachsenes Fazit

Von Jan Schulte Holthausen

Großrückerswalde. Schüler der Mittelschule Großrückerswalde sowie des Instituts für Gesundheit und Bildung (IGB) hatten gestern Gelegenheit, mit einer Delegation der CDU-Landtagsfraktion über die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie zu sprechen. Doch mehr als dieses Thema interessierten sich die Jugendlichen für Hartz IV und NPD.

Der CDU-Wahlkreisabgeordnete für den Mittleren Erzgebirgskreis, Günther Schneider, hatte zu der Diskussionsrunde eingeladen. Anlass war der Jahrestag der einzigen freien Wahlen zur Volkskammer der DDR am 18. März 1990. Die Landtagsfraktion der Christdemokraten setzt sich dafür ein, den 18. März zum “Tag der parlamentarischen Demokratie” zu erklären. An der Veranstaltung im IGB nahmen rund hundert Jugendliche und Erwachsene teil.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Hähle stellte dem Gespräch einen Vortrag über die Geschehnisse des Mauerfalls und der politischen Wende voran und skizzierte die Grundlagen einer freiheitlichen, demokratischen Verfassung. “Die Wahl am 18. März war das Signal zum Aufbruch in die Wiedervereinigung”, sagte er. Seine jugendlichen Zuhörer konnte Hähle damit allerdings nicht sehr begeistern. Das Desinteresse an Ausführungen zu Gewaltenteilung und Parteien-System war mit Händen zu greifen.

Lebendiger ging es bei der anschließenden Fragerunde zu. Anstatt sich mit den Grundlagen des Parlamentarismus aufzuhalten, sprachen die jungen Frauen und Männer Probleme an, die sie selbst betreffen. Während die Mittelschüler keine Fragen an die Politiker hatten, konfrontierten die Schüler des IGB sie mit Vorschlägen zum islamischen Religionsunterricht und Resozialisierung von Drogenabhängigen. Auch die Themen Arbeitslosigkeit, Klimawandel- und Familienpolitik brannten ihnen unter den Nägeln. Am längsten wurde über politische Mittel gegen den Rechtsextremismus debattiert. Günther Schneider wies darauf hin, dass es an jedem einzelnen sei, die Versprechungen der Radikalen unter die Lupe zu nehmen. Dem schulpolitischen Sprecher der Fraktion, Thomas Colditz, war die Feststellung wichtig, dass nicht nur von rechts eine Gefahr für die Demokratie ausgehe, sondern auch von der extremen Linken.

Am Ende gingen die Meinungen über den Erfolg der Veranstaltung auseinander. Thomas Frings sagte, solche Diskussionsrunden müsste es häufiger geben. “Es muss viel mehr politische Aufklärung geleistet werden”, sagte der 31-Jährige. Der 28-jährige René Simon fand dagegen, die Politiker hätten um den heißen Brei geredet. “Ich habe meine Fragen gar nicht erst gestellt”, sagte er. Politik habe mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

Quelle: Freie Presse, Marienberger Ausgabe, 19.03.2008

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