Bundespräsident in Stollberg zu Gast

MdB Marco Wanderwitz, Landrat Frank Vogel, MdL Uta Windisch, Bundespräsident Christian Wulff und MdB Günter Baumann. Foto: Chris Bergau

MdB Marco Wanderwitz, Landrat Frank Vogel, MdL Uta Windisch, Bundespräsident Christian Wulff und MdB Günter Baumann. Foto: Chris Bergau

Am 13. Mai besuchte Bundespräsident Christian Wulff das ehemalige DDR-Frauengefängnis Schloss Hoheneck in Stollberg. Anlass seines Besuches war der 20. Jahrestag der Gründung des Frauenkreises ehemaliger Insassinnen. Begleitet wurde er unter anderem von Sabine von Schorlemer, Sachsens Wissenschaftsministerin, den beiden Bundestagsabgeordneten Günter Baumann und Marco Wanderwitz, der heimischen Landtagsabgeordneten, Uta Windisch, sowie von Landrat Frank Vogel.

Zu Beginn wurden für die ehemaligen Insassinnen Kränze niedergelegt. Auch Bundestagsabgeordneter Marco Wanderwitz und Landtagsabgeordnete Uta Windisch sowie der CDU-Kreisverband Erzgebirge ehrten die Opfer mit einem Blumengebinde. Beim anschließenden Rundgang durch das Gefängnis machte sich der Bundespräsident ein Bild von den Haftbedingungen, die die Frauen zu DDR-Zeiten ertragen mussten. In Hoheneck saßen neben Mörderinnen, Schwer- und Kleinkriminellen auch wegen Fluchtversuchen in den Westen oder anderen politischen Delikten verurteilte Frauen. Dunkel- und Nasszellen sowie Arbeitsräume sind weitgehend original erhalten. Während des Festaktes sprach sich Christian Wulff in seiner Rede dafür aus, Hoheneck als Geschichte erlebbar zu erhalten und für die Zukunft zu gestalten. Dieser Gedenkort sei wichtig für die Betroffenen und für nachfolgende Generationen, gleichwohl als Begegnungs- sowie als Bildungsstätte.

Die CDU-Abgeordnete Uta Windisch war bereits im Frühjahr 1990 erstmals in der Haftanstalt. „Das beklemmende Gefühl beim Eintritt durch die Tore, wenn der Schlüssel hinter einem umgedreht wurde, werde ich nicht los. Laute und klirrenden Geräusche, die Kälte im Gebäude, die Ahnung davon, was insbesondere die Gefangenen im rechtsfreien Raum der kommunistischen Diktatur dort zu erleiden hatten, haben sich bei mir tief eingegraben“, so die CDU-Politikerin. Bis zur Schließung der JVA im April 2001 war Uta Windisch Mitglied des Gefängnisbeirates und hatte in dieser Zeit auch den Kontakt zum „Verein der Hoheneckerinnen“ aufgebaut. Wider das Vergessen und als Mahnung an die junge Generation, eine Diktatur, die elementare Menschrechte mit Füßen tritt, in Deutschland nie wieder zuzulassen, sollte auch künftig in Hoheneck ein würdiges Gedenken möglich sein.

Hintergrund: Schloss Hoheneck war das größte Frauengefängnis der ehemaligen DDR, berüchtigt für seine katastrophalen Haftbedingungen mit Dunkel- und Wasserzelle, was stets geheim gehalten wurde. Sämtliche weiblichen politischen Häftlinge der ehemaligen DDR wurden ab 1977 nach Schloss Hoheneck gebracht und konnten von dort durch die Bundesrepublik Deutschland freigekauft werden. Etwa 35.000 Häftlinge wurden über die Haftanstalt geschleust, wodurch die ehemalige DDR-Führung in den Besitz von rund 3,5 Millionen DM kam. Im Jahre 2001 wurde die Justizvollzugsanstalt Hoheneck endgültig geschlossen und gelangte später in Privatbesitz. Der heutige Liegenschaftseigner ist nicht der Freistaat Sachsen, sondern ein Eigentümer, der großes Interesse an einer nachhaltigen Perspektive für seine hier getätigte Investition hat und deshalb eine geeignete, wirtschaftliche Nutzung erzielen möchte.