Ein Reiseziel entsteht nicht auf dem Papier, sondern in den Köpfen der Menschen

Manfred Böhme, Dr. Christoph Engl, Prof. Dr. Holm Große, Jens Weißflog und Uta Windisch zum Tourismusforum in Oelsnitz/Erzg. Foto: Chris Bergau

Manfred Böhme, Dr. Christoph Engl, Prof. Dr. Holm Große, Jens Weißflog und Uta Windisch zum Tourismusforum in Oelsnitz/Erzg. Foto: Chris Bergau

Am 12. März hatte die CDU-Landtagsfraktion zum Tourismuspolitischen Forum unter dem Thema „Erfolg im Tourismus ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der richtigen Strategie“ nach Oelsnitz/Erzg. eingeladen. Die tourismuspolitische Sprecherin der Fraktion Uta Windisch hatte diesen Tag als Auftakt für eine Veranstaltungsreihe, die in den kommenden Monaten in allen Tourismusregionen Sachsens stattfinden soll, konzipiert.

Eingeladen war mit dem Direktor der Südtirol Marketing Gesellschaft Dr. Christoph Engl Top-Prominenz des internationalen Marketinggeschäftes, sowie Prof. Dr. Holm Große, Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft-Oberlausitz-Niederschlesien mbh zu Impulsreferaten.

Die CDU-Tourismusexpertin Uta Windisch ging in ihrem Eingangsreferat auf die enorme Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor ein. “Tourismus steht in unserem Land für mehr als 7,2 Millionen Euro Umsatz und einem Äquivalent von 217.000 Arbeitsplätzen” so Windisch. Zu den Aussichten für dieses Jahr bezog sie sie sich auf das brandaktuelle OSV-Tourismusbarometer von vergangener Woche, das für dieses Jahr bei ungebrochener Reiselust der Deutschen von einem verhaltenen Wachstum ausgeht. 63% der Tourismusregionen erwarten ein Nachfrageplus für das Frühjahr dieses Jahres. Wichtig sei, so Windisch, dass Sachsen und unser Erzgebirge davon einen großen Teil abbekommen.

Wie das gehen könne, diskutierte das prominent besetzte Podium unter bewährter Moderation des MDR-Hörfunkdirektors Bernhard Hohlfeld. Neben den Referenten nahmen weiter Platz im Podium der Unternehmer und „Botschafter des Erzgebirges“ Jens Weißflog, Landrat Frank Vogel sowie der Verbandsdirektor des Landestourismusverbandes Sachsen Manfred Böhme.

Tenor der Referate und Podiumsdiskussion war, dass der Wettbewerb längst nicht mehr nur über den Preis geführt wird, sondern über Qualität, Innovation und vor allem Emotionen und Sehnsüchten. „Darum ist es wichtig, neue Wege zu gehen, beispielsweise das Bild der Region als zauberhaftes Gefühl zu vermitteln oder Events und Attraktionen mit überraschenden Service zu verbinden“, sagte Uta Windisch.

Manfred Böhme sieht als LTV-Verbandsdirektor den Tourismus in Sachsen gut aufgestellt, betonte, dass in den kommenden Jahren der Wettbewerb härter werden wird und es deshalb wichtig ist, dass alle Akteure an einem Strang und vor allem in die gleiche Richtung ziehen müssen.

Landrat Vogel ging in der Diskussion auf die Entwicklung des Tourismus in der Erzgebirgsregion ein. Er verwies darauf, dass der Regionalverband auf einem guten Weg sei. Man habe sich mit der Neuorientierung des Erzgebirges auf vier Kernthemen konzentriert. Bis Ende des Jahres soll auch im Erzgebirge eine Marketinggesellschaft gegründet werden.

Jens Weißflog wünschte sich mehr Erzgebirge im Sachsenmarketing und von den Verantwortlichen vor Ort noch mehr in Richtung Standortmarketing zu gehen, da er hier noch viel Potential sehe.

Im Tourismus werde es einige weitere Herausforderungen geben. “Zunehmend rücken Fragen der Nachhaltigkeit, der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, der Fachkräfteentwicklung sowie der Glaubwürdigkeit von Gütesiegeln in den Fokus”, so Verbandsdirektor Manfred Böhme.

Uta Windisch verwies weiter darauf, dass allen am Tourismus Beteiligten in Sachsen eine weitere Zäsur bevorstehe: die neue Periode der EU-Förderung. Die Antwort für Wachstum unter neuen Rahmenbedingungen könne nur heißen: Intelligent, Integrativ und Nachhaltig.

“Die Staatsregierung hat mit der „Tourismusstrategie Sachsen 2020“ die Richtung vorgegeben, in die sich Tourismusstrukturen, Finanzierungsinstrumente und Aufgabenteilung zwischen den Akteuren in den kommenden Jahren entwickeln sollen. Die CDU-Tourismuspolitik setzt deshalb auf die stärkere Integration von Akteuren und Aktionen, Prioritätensetzung und Profilschärfung bei Angeboten, mehr Innovationen bei Unternehmen und Kommunen, neue Geschäftsmodelle und neue Initiativen zum Wissenstransfer sowie der Fachkräftebindung und- findung”, so Windisch.

Weiter gab die CDU-Politikerin der Staatsregierung mit auf den Weg, die Regionen, die Tourismus-Macher und die sächsische Bevölkerung selbst mit auf den Weg zu nehmen zur Findung eines besseren Sachsen-Gefühls im Rahmen der Image-, Standort- und Marketingkampagne. Dr. Engl sagte dazu treffend: „Nur was eine Region selbst lebt und fühlt, kann sie auch vermarkten.“

Die Tourismusexpertin betonte, dass es Ziel sein muss, die Regionen aus einer Hand zu vermarkten, gemeinsam ein positives Image zu schaffen, für Bekanntheit zu sorgen und darauf aufbauend Zielgruppen differenziert zu bedienen. Hier sehe sie noch große Defizite, sowohl im Erzgebirge als auch wie für den gesamten Freistaat. Und hier müsse bei den Besitzstandswahrern noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

An diesen Punkt knüpfte der Hauptreferent, Dr. Christoph Engl, an. Er hat seit 2003 die Aufgabe, Südtirol zum begehrten Reiseziel zu machen und die Marke zu stärken. In seinem emotionalen Vortag zum Thema: Synergien von Tourismus und Standortmarketing erläuterte er eindrucksvoll, wie Südtirol nicht nur zur Marke, sondern zum Lebensgefühl wurde.

In Südtirol setze man beim Tourismus auf Individualität und vor allem auf Emotionalität in der Vermarktung. Man positioniert sich eher “spitz” als “breit” im Markt, das bedeute, man konzentriere sich auf seine Einzigartigkeit.

“In Zukunft wird es nicht mehr das Hauptanliegen sein, an jeden Ort der Erde zu reisen. Hauptinteresse wird sein, ob es sich lohnt, dort anzukommen.”, dieses Zitat von Hermann Löns haben sich die Südtiroler zu Herzen genommen und geschaut, was man anders machen kann.

“Tourismus bedeutet zwei Dinge: Zeit haben und Geld ausgeben müssen. Dazu kann man die Menschen nur bringen, wenn man ihre Gefühle anspricht”, so Engl.

Für den Tourismusexperten entsteht eine Destination nicht auf dem Papier, sondern in den Köpfen der Menschen. “Wir haben uns nicht die Frage gestellt: ‘Welches Bild von uns sollen wir den Kunden zeigen?’, sondern ‘Welches Bild sollen die Kunden von uns haben'”,so Engl. Damit verbunden ist auch, welches Gefühl die Kunden haben, wenn sie nach Südtirol kommen. “Entscheidend ist Begehrlichkeit und nicht Bekanntheit”, erklärt er. Nach seinem Konzept ist die Anziehungskraft dort am Größten, wo die Attraktivität am Größten ist und dort wo die Anziehungskraft groß ist, kommen die Menschen von allein. “Nur wenn es gute Energie gibt, wird es was nützen”, bringt es Engl auf den Punkt.

Als Trends der Zukunft sieht der Südtiroler eindeutig vier Schwerpunkte: Natur, Gesundheit, Individualität und Authentizität. “Der Luxus der Zukunft wird Zeit, Aufmerksamkeit, Sinn, Ruhe und Raum sein”, so Dr. Engl. Er forderte die Zuhörer und Akteure im Tourismus auf, neue Wege zu gehen, zu schauen, ob man die Dinge nicht auch anders sehen könnte und vor allem auf Emotionen zu setzen. Seine Sicht der Dinge und sein Herangehen an Aufgaben stehen zwar in keinem Lehrbuch, aber der überaus große Erfolg gibt ihm Recht.

Weiterer Referent war Prof. Dr. Holm Große, Geschäftsführer Marketing-Gesellschaft-Oberlausitz-Niederschlesien mbH. Er sprach zum Thema: Ganzheitliches Regionalmarketing Oberlausitz.

Die Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH (MGO) wurde zum 1. Januar 2002 gegründet und ist im Auftrag ihrer Gesellschafter Dienstleister der Region.

Kerngeschäft der Marketing-Gesellschaft ist das professionelle nationale und internationale Standortmarketing, sowohl für den Wirtschafts- als auch für die Tourismusregion Oberlausitz. Zu den Aufgaben zählen: Imagebildung für die Wirtschaftsregion, Marketinginstrumente, Messen und Präsentationen, Unternehmertreffen und –reisen, Bestandsentwicklung und Ansiedlungspolitik in Abstimmung mit den kommunalen Gesellschaftern und Projekte zur regionalen Entwicklung.

Die MGO ist Entwickler und Vermarkter touristischer Produkte und Ansprechpartner für die Planung und Vorbereitung des Urlaubs und Aufenthalts in der Oberlausitz. Dazu zählt: Kommunikation der Dachmarke Oberlausitz, Entwicklung und Vermarktung vernetzter touristischer Produkte, Messen und Regionalpräsentationen sowie die, Arbeit mit Reiseveranstaltern und Journalisten.